Die Geburtshelfer


Indien gilt als einer der großen Wachstumsmärkte der Zukunft. Bis 2014 soll der Pkw-Absatz dort von derzeit 1,2 Millionen auf über zwei Millionen Fahrzeuge ansteigen. Der Volkswagen Konzern zeigt hier Flagge und hat im Frühjahr 2009 in Chakan bei Pune ein neues, hochmodernes Automobilwerk eröffnet. Die Abteilung Planung Fabrikstruktur schaffte mit dem Bau eine planerische und logistische Meisterleistung.

Indien gilt als einer der großen Wachstumsmärkte der Zukunft. Der Volkswagen Konzern zeigt hier Flagge und hat im Frühjahr 2009 in Chakan bei Pune ein neues, hochmodernes Automobilwerk eröffnet. (Foto)

Samstag ist Fußballtag. In der „Rakshak Society“, einem Wohngebiet am Rande der indischen Millionenstadt Pune, versammelt sich eine wild gemischte deutsch-indische Truppe auf dem Bolzplatz. Die einen spielen im weißen Trikot mit Volkswagen Logo, die anderen im glänzenden Grün des VfL Wolfsburg. Mittendrin kickt Dr. Olaf Dettmann, gelernter Bauzeichner und promovierter Ingenieur. Er ist Mitarbeiter der Abteilung Planung Fabrikstruktur. Die Trikots für die Kinder haben er und seine Kollegen mitgebracht. Zusammen treten sie als die „Rakshak Society Kickers“ gegen den Ball. In Sportschuhen laufen dabei nur die Söhne der aufstrebenden indischen Mittelklasse auf, die Kinder der einfachen Hausangestellten nicht. Sie spielen barfuß. Das tut der Begeisterung und dem Mannschaftsgeist aber keinen Abbruch. Gemeinsam wird gejubelt und geflucht. „Man kann hier prima indische Schimpfwörter lernen“, freut sich Dettmann.

PRODUKTION UNTER DEN AUGEN VON SHIVA

Erfolgreiche Teamarbeit – Ingenieur Dr. Olaf Dettmann hat die Errichtung des neuen Werks im indischen Pune von Beginn an begleitet. (Foto)

ERFOLGREICHE TEAMARBEIT
Ingenieur Dr. Olaf Dettmann
hat die Errichtung des neuen
Werks im indischen Pune von
Beginn an begleitet.

Von Mannschaftsgeist versteht der Baufachmann etwas – nicht nur auf dem Bolzplatz. Der Aufbau einer kompletten Automobilfabrik in einem neuen Land erfordert Teamfähigkeit und die Bereitschaft, sich mit kulturellen Unterschieden auseinanderzusetzen. Als Olaf Dettmann zum ersten Mal am neuen Standort in Chakan – etwa 25 Kilometer von der Millionenstadt Pune entfernt – eintraf, flimmerte eine gigantische Sand- und Schotterfläche vor ihm in der Hitze. Am Rande stand ein einsamer Container und sonst nichts. Auf einem angrenzenden Hügel thronte ein Shiva-Tempel. Heute produzieren hier bereits über 2.000 Mitarbeiter in der wohl modernsten Autofabrik Indiens den Volkswagen Polo und den Škoda Fabia nach den konzernweiten Volkswagen Qualitätsstandards. Bis zu 110.000 Fahrzeuge jährlich können hier vom Band laufen. Und der göttliche Shiva schaut von oben wohlgefällig zu.

Dr. Jan Spies, Leiter der Abteilung Planung Fabrikstruktur mit Sitz in Wolfsburg, managt etwa 70 Mitarbeiter, die es gewohnt sind, in alle Welt auszuschwärmen. Fast gleichzeitig mit dem Standort Pune entstand die neue Produktionsstätte im russischen Kaluga; ein weiteres Volkswagen Werk wird gegenwärtig in Chattanooga im US-Staat Tennessee errichtet. Um diese Herausforderungen fern des deutschen Stammsitzes zu meistern, verfügen die Wolfsburger über ein gut gepflegtes Netzwerk mit bewährten Experten, die je nach Bedarf hinzugezogen werden – unter anderem für den Aufbau von Fabriken auch in Gegenden mit besonderen klimatischen Bedingungen. Gefragte Fachleute sind beispielsweise Elektroingenieure, die auf die Besonderheiten in der Automobilfertigung spezialisiert sind. Lüftung und Klimatechnik müssen ebenso stimmen wie die Versorgung mit Druckluft, mit heißem oder kaltem Wasser. Architekten, Bauingenieure, Maschinenbauer und Betriebswirte arbeiten in Wolfsburg und vor Ort Hand in Hand.

„Wir erfüllen die wichtige Funktion einer Schaltstelle zwischen allen Beteiligten schon seit Jahrzehnten. Unsere Aufgaben sind genau wie Volkswagen immer internationaler geworden“, sagt Spies. „Heute profitieren wir von dem Know-how, das wir in den vielen Projekten gesammelt haben.“ Während einige Wettbewerber ihre Produktionsanlagen schlüsselfertig kaufen, sind Planung und Bau wichtige Kompetenzen des Volkswagen Konzerns: „Unsere Detailkenntnis erspart uns unliebsame Überraschungen und sichert unseren internationalen Qualitätsstandard“, so Spies. Und er fügt hinzu: „Deshalb sind wir bei neuen Werken schon von Anfang an vor Ort und schauen uns den möglichen Standort an.“

„Unsere Detailkenntnis erspart uns unliebsame Überraschungen und sichert unseren internationalen Qualitätsstandard.“ Dr. Jan Spies, Leiter Planung Fabrikstruktur Volkswagen (Zitat)
USA – Wolfsburg – Russland – Pune (Grafik)
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