Weltweite Pkw-Nachfrage im zweiten Jahr in Folge gesunken


Im Jahr 2009 verringerten sich die weltweiten Pkw-Verkäufe um 6,0 % auf 52,4 Mio. Fahrzeuge. Dabei hat sich das Absatzvolumen in den letzten Monaten des Berichtsjahres insbesondere aufgrund von staatlichen Programmen zur Absatzförderung sowie lukrativen Anreizpaketen seitens der Hersteller weitgehend stabilisiert. Allerdings konnten nur die Region Asien-Pazifik wegen des starken Anstiegs der Pkw-Neuzulassungen in China und die Region Westeuropa vor allem aufgrund des hohen Wachstums in Deutschland eine höhere Nachfrage verzeichnen. Drastische Rückgänge wiesen dagegen die Märkte in Zentral- und Osteuropa, in Nordamerika sowie in Südafrika auf. Das Minus in Südamerika fiel insbesondere aufgrund der positiven Auswirkungen staatlicher Maßnahmen in Brasilien deutlich geringer aus. Die Weltautomobilproduktion reduzierte sich im Berichtsjahr um 13,2 % auf 60,0 Mio. Einheiten, davon entfielen 49,4 Mio. auf Pkw (–14,0 %).

Branchenspezifische Rahmenbedingungen

Die Rahmenbedingungen der Automobilindustrie waren im Jahr 2009 von unterschiedlichen Faktoren geprägt. Insbesondere die Finanz- und Wirtschaftskrise hatte erhebliche Auswirkungen auf das Nachfrageverhalten der Konsumenten. Die staatlichen Förderprogramme führten zu einer vorübergehenden Aufgabe der Kaufzurückhaltung bei Kunden, die aufgrund der Krise verunsichert gewesen waren. Die Maßnahmen vieler Regierungen haben den globalen Automobilmarkt gestützt und in einigen Märkten sogar für einen deutlichen Anstieg der Neuzulassungen gesorgt. Damit wurde jedoch nicht nur zusätzliche Nachfrage generiert, sondern es kam auch zu Vorzieheffekten: Viele Konsumenten trafen ihre Kaufentscheidung wegen der Förderprogramme bereits 2009 und damit früher als ursprünglich geplant.

AUSLIEFERUNGEN DES VOLKSWAGEN KONZERNS NACH MONATEN
in Tsd. Fahrzeuge
Auslieferungen des Volkswagen Konzerns nach Monaten (Liniendiagramm)

Nordamerika

Die Nachfrage nach Pkw und leichten Nutzfahrzeugen lag auf dem nordamerikanischen Markt im Geschäftsjahr 2009 mit –20,5 % deutlich unter dem bereits niedrigen Vorjahresniveau. In den USA führte die anhaltende Kaufzurückhaltung zu einem Einbruch der Fahrzeugverkäufe um 21,3 % auf 10,4 Mio. Einheiten. Das Förderprogramm der US-Regierung konnte dabei nur kurzzeitig für eine Stabilisierung sorgen. Einbußen gegenüber dem Vorjahr verzeichneten sowohl das Pkw-Segment (–19,0 % auf 5,5 Mio. Fahrzeuge) als auch das Segment für leichte Nutzfahrzeuge (–23,6 % auf 4,9 Mio. Fahrzeuge). Insgesamt erreichten die Neuzulassungen den niedrigsten Stand seit 1982.

Die Verkaufszahlen auf dem kanadischen Markt sanken im Berichtsjahr um 10,7 % auf 1,5 Mio. Einheiten. In Mexiko ging das Absatzvolumen im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls zurück. Hier schwächte sich die Nachfrage um 26,4 % auf 0,8 Mio. Fahrzeuge noch deutlicher ab.

Südamerika

Im Geschäftsjahr 2009 verringerten sich in der Region Südamerika – erstmals seit 2003 – die Fahrzeugverkäufe im Vergleich zum Vorjahr. Eine Ausnahme vom allgemeinen Trend stellte Brasilien dar: Der Inlandsmarkt verzeichnete erneut einen Rekordwert. Hauptgrund für den Anstieg der Neuzulassungen um 12,8 % auf 2,5 Mio. Pkw war das befristete Förderprogramm der Regierung mit hohen Steuernachlässen. Gleichzeitig unterschritten die Fahrzeugexporte mit 475 Tsd. Einheiten insbesondere wegen der Rezession in den wichtigsten Abnehmermärkten das Vorjahresvolumen um 35,3 %. Der argentinische Pkw-Markt blieb mit einem Minus von 11,8 % auf 378 Tsd. Fahrzeuge deutlich unter dem Höchstwert aus dem Vorjahr.

Asien-Pazifik

Der Anstieg der Pkw-Neuzulassungen in der Region Asien-Pazifik setzte sich insbesondere aufgrund der dynamischen Nachfrageentwicklung auf dem chinesischen Markt im Jahr 2009 fort. Mit einem Zuwachs um 3,0 auf 8,5 Mio. Einheiten (+53,9 %) ist China zum größten Pkw-Markt der Welt aufgestiegen. Positiv beeinflusst wurde der Verkaufsboom dabei hauptsächlich von der seit Januar 2009 gewährten Steuererleichterung beim Kauf von Fahrzeugen bis 1,6 l Hubraum. Auf dem japanischen Inlandsmarkt hielt der Abwärtstrend auch im fünften Jahr in Folge an: Die Zahl der Pkw-Verkäufe fiel im Berichtsjahr um 7,2 % auf 3,9 Mio. Fahrzeuge. Gründe für das insgesamt niedrigste Neuzulassungsniveau seit 1977 waren das schwache inländische Konsumklima und ein nachlassendes Automobilinteresse bei der jüngeren Generation. In Indien lagen die Verkäufe von Pkw um 17,3 % über dem Vorjahreswert. Das Wachstum auf 1,4 Mio. Einheiten wurde vor allem durch niedrigere Zinsen sowie eine Vielzahl neu eingeführter Modelle begünstigt.

Europa/Übrige Märkte

In Westeuropa erhöhte sich die Nachfrage nach Neufahrzeugen im Berichtsjahr leicht um 0,5 % auf 13,7 Mio. Einheiten. Zu Jahresbeginn hatte sich ein dramatischer Markteinbruch abgezeichnet, der aber durch staatliche Maßnahmen zur Absatzförderung in den meisten automobilproduzierenden Ländern der Region verhindert wurde. Von den großen Märkten verzeichnete Frankreich einen zweistelligen Zuwachs (+10,7 %), Einbußen wurden dagegen in Spanien (–17,9 %), Großbritannien (–6,4 %) und Italien (–0,2 %) registriert. Der Anteil der Dieselfahrzeuge war in Westeuropa hauptsächlich wegen der Nachfrageverschiebung zugunsten des Mini- und Kleinwagensegments mit rund 46 % rückläufig.

In Zentral- und Osteuropa brachen die Zulassungen von Neuwagen drastisch ein. Hohe Rückgänge verzeichneten vor allem die Volumenmärkte Russland (–50,3 %), Ukraine (–71,9 %), Rumänien (–51,0 %) und Ungarn (–50,8 %). Die Pkw-Verkäufe in der Türkei lagen aufgrund vorübergehender Steuererleichterungen deutlich über dem Vorjahresniveau (+12,7 %).

In Südafrika schrumpfte die Automobilnachfrage auf das geringste Niveau der letzten sieben Jahre. Im Geschäftsjahr 2009 wurden hier mit 255 Tsd. Pkw (–22,5 %) erneut weniger Fahrzeuge verkauft.

Deutschland

Im Jahr 2009 erhöhte sich die Pkw-Nachfrage in Deutschland um 18,2 % auf 4,0 Mio. Fahrzeuge. Dabei erreichte der Pkw-Markt insbesondere wegen der Umweltprämie mit 3,8 Mio. Einheiten (+23,2 %) das höchste Niveau seit 1992. Die Neuzulassungen von Nutzfahrzeugen sanken dagegen infolge einer geringeren Investitionsbereitschaft mit 242 Tsd. Fahrzeugen (–27,7 %) auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Die Neuzulassungen von Lkw bis zu einem Gesamtgewicht von sechs Tonnen lagen mit 170 Tsd. Fahrzeugen um 24,4 % unter dem Vorjahreswert. Vor allem die schwache Auslandsnachfrage nach Pkw und Nutzfahrzeugen führte bei den deutschen Herstellern zu einem Rückgang der Inlandsproduktion (–13,9 % auf 5,2 Mio. Einheiten) und der Exporte (–20,4 % auf 3,6 Mio. Einheiten).

ERHEBLICHE NACHFRAGERÜCKGÄNGE BEI SCHWEREN LKW

Die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise haben im Geschäftsjahr 2009 zu einem starken Einbruch der Gütertransportleistungen geführt. Die daraus resultierende Kaufzurückhaltung verursachte massive Verkaufseinbußen in allen wichtigen Absatzregionen mit Ausnahme Chinas. Die weltweiten Verkäufe von Lkw mit einem Gesamtgewicht von über 15 Tonnen verringerten sich um 21 % auf insgesamt 1,2 Mio. Fahrzeuge.

In Nordamerika setzte sich die negative Entwicklung der Nachfrage nach schweren Lkw auch im dritten Jahr in Folge fort. Mit einem Minus von rund 38 % gegenüber 2008 wurde der schwache Vorjahreswert noch einmal deutlich verfehlt.

Weniger drastisch waren die Folgen für den brasilianischen Lkw-Markt. Hier fielen die Neuzulassungen, gestützt durch Investitionsförderprogramme der Regierung, um rund 20 %.

In China, dem mit weitem Abstand größten Einzelmarkt für schwere Lkw, hielt der positive Absatztrend auch im Berichtsjahr an. Mit einem Zuwachs im zweistelligen Prozentbereich auf rund 600 Tsd. Einheiten entfällt mittlerweile etwa die Hälfte des Weltabsatzes auf China. Auf den übrigen wichtigen Märkten im Raum Asien-Pazifik gingen die Verkäufe schwerer Lkw dagegen weiter zurück. In Indien, dem drittgrößten Absatzmarkt der Welt, unterschritten die Neuzulassungen das Vorjahresniveau um rund 20 % und in Japan um rund 57 %.

Besonders stark war die Marktabschwächung bei den schweren Lkw in Westeuropa. Hier hat sich der Absatz gegenüber dem Vorjahr nahezu halbiert. Noch deutlicher schrumpfte der Markt in Zentral- und Osteuropa, nämlich auf weniger als ein Drittel des Vorjahresvolumens.

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