Strategien zur Risikoabsicherung im Finanzbereich


Die Ausübung unserer Geschäftstätigkeit birgt Finanzrisiken, die sich aus der Veränderung von Zinssätzen, Währungskursen und Rohstoffpreisen sowie Fondspreisen ergeben können. Das Management dieser Finanzrisiken wie auch der Liquiditätsrisiken liegt in der zentralen Verantwortung des Bereichs Konzern-Treasury. Der Konzernvorstand wird regelmäßig über die aktuelle Risikosituation informiert. Wir managen diese Risiken durch den Einsatz originärer und derivativer Finanzinstrumente.

Zinsrisiken und Risiken aus Wertschwankungen von Finanzinstrumenten im Konzern sichern wir durch den Abschluss von Zinsswaps, kombinierten Zins-Währungs-Swaps sowie sonstigen Zinskontrakten betrags- und fristenkongruent ab. Dies gilt auch für Finanzierungen innerhalb des Volkswagen Konzerns.

Währungsrisiken reduzieren wir in erster Linie durch das „Natural Hedging“, das heißt, indem wir die Belegung der Produktionskapazitäten an unseren weltweiten Standorten flexibel anpassen, neue Produktionsstätten in den wichtigsten Währungsregionen aufbauen und auch einen Großteil der Bauteile vor Ort beschaffen – aktuell etwa in Indien, Russland und den USA. Das verbleibende Währungsrisiko sichern wir durch den Einsatz von Financial-Hedge-Instrumenten ab. Das sind unter anderem Devisentermingeschäfte, Devisenoptionen sowie kombinierte Zins-Währungs-Swaps. Mit diesen Geschäften begrenzen wir das Währungsrisiko erwarteter Zahlungsströme aus der operativen Geschäftstätigkeit und aus konzerninternen Finanzierungen in Währungen, die von der jeweiligen funktionalen Währung abweichen. Diese Kontrakte können eine Laufzeit von bis zu sechs Jahren haben. Wir sichern damit unsere wesentlichen Fremdwährungsrisiken aus erwarteten Zahlungsströmen vor allem in den folgenden Währungen ab: US-Dollar, britisches Pfund, mexikanischer Peso, russischer Rubel, schwedische Krone, tschechische Krone, polnischer Zloty, brasilianischer Real, chinesischer Renminbi, australischer Dollar, sowie Schweizer Franken und japanischer Yen. Diese Absicherungen wurden hauptsächlich gegenüber dem Euro eingegangen.

Aus dem Einkauf von Rohstoffen entstehen Risiken bezüglich der Verfügbarkeit und der Preisentwicklung. Diese Risiken begrenzen wir insbesondere durch den Abschluss von Termingeschäften und Swaps. Einen Teil unseres Bedarfs an Rohstoffen wie Aluminium, Kupfer, Blei, Platin, Rhodium und Palladium haben wir durch entsprechende Kontrakte über einen Zeitraum von bis zu acht Jahren abgesichert. Ähnliche Geschäfte wurden zur Ergänzung und Optimierung der Zuteilungen von CO2-Emissionszertifikaten abgeschlossen. Im Jahr 2009 kamen Absicherungen für das Kohleeinkaufsvolumen neu hinzu.

Die jederzeitige Zahlungsfähigkeit des Unternehmens stellen wir durch ausreichende Vorhalteliquidität, Verfügbarkeit von bestätigten Kreditlinien sowie durch unsere bewährten Geld- und Kapitalmarktprogramme sicher. Den Kapitalbedarf für das wachsende Finanzdienstleistungsgeschäft decken wir überwiegend durch fristenkongruente Fremdkapitalaufnahmen an den nationalen und internationalen Finanzmärkten. Die mit Ausbruch der Finanzkrise deutlich erhöhten Refinanzierungskosten blieben auch im ersten Halbjahr 2009 hoch, haben sich in der zweiten Jahreshälfte aber wieder in Richtung des Niveaus vor Ausbruch der Finanzkrise normalisiert. Aufgrund der breiten Diversifizierung der Refinanzierungsstruktur waren wir über das ganze Jahr 2009 fortlaufend in der Lage, uns in den verschiedenen Märkten ausreichend Liquidität zu beschaffen.

Mit der Diversifizierung bei der Anlage überschüssiger Liquidität und dem Abschluss sichernder Finanzinstrumente gewährleisten wir, dass der Volkswagen Konzern jederzeit zahlungsfähig ist, selbst wenn einzelne Kontrahenten ausfallen.

Kreditlinien von Banken werden im Konzern grundsätzlich nur für den kurzfristigen Bedarf im Working Capital in Anspruch genommen. Für Projektfinanzierungen nutzen wir unter anderem zinsgünstige Darlehen, die uns von Förderbanken wie der Europäischen Investitionsbank oder der European Bank for Reconstruction and Development (EBRD) beziehungsweise nationalen Entwicklungsbanken wie der KfW oder dem Banco Nacional de Desenvolvimento Econômico e Social (BNDES) zur Verfügung gestellt werden. Aufgrund dieser umfangreichen Maßnahmen ist das Liquiditätsrisiko für den Volkswagen Konzern äußerst gering.

Unsere Sicherungspolitik, die Sicherungsrichtlinien, Ausfall- und Liquiditätsrisiken sowie die Quantifizierung der genannten Sicherungsgeschäfte erläutern wir im Anhang im Kapitel Finanzrisikomanagement und Finanzinstrumente. Außerdem stellen wir dort die Marktpreisrisiken im Sinne von IFRS 7 dar.

Risiken aus Finanzinstrumenten

Aus der Anlage überschüssiger Liquidität entstehen Kontrahentenrisiken. Ein teilweiser oder sogar vollständiger Ausfall eines Kontrahenten bei seiner Rückzahlungspflicht für Zinsen und Kapital hätte einen negativen Einfluss auf die Ergebnisrechnung und auf die Liquidität. Diesem Risiko begegnen wir durch unser Kontrahentenrisikomanagement, das im Abschnitt „Grundsätze und Ziele des Finanzmanagements“ näher erläutert wird.

Bei den zu Sicherungszwecken eingegangenen Finanzinstrumenten kommen zu den Kontrahentenrisiken noch bilanzielle Risiken hinzu. Diese bilanziellen Risiken begrenzen wir durch die Anwendung von Hedge Accounting.

Die Risiken aus Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie aus Finanzdienstleistungen werden im Anhang im Kapitel Kredit- und Ausfallrisiko erläutert.

Liquiditätsrisiken

Die Konditionen der Außenfinanzierung für den Volkswagen Konzern könnten durch eine Herabstufung des Ratings beeinträchtigt werden. Ein wesentlicher Umstand hierbei ist die Beteiligung der Volkswagen AG an der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, aus der ein hoher Abfluss von Liquidität resultierte. Zur Erhaltung der bestehenden Ratings hat die Volkswagen AG für das erste Halbjahr 2010 eine Kapitalerhöhung durch die Ausgabe neuer Vorzugsaktien angekündigt. Durch die zufließenden Mittel und wegen der darüber hinaus aktuell vorhandenen Liquidität sind Liquiditätsrisiken nicht absehbar.

Restwertrisiken im Finanzdienstleistungsgeschäft

Um Marktchancen wahrnehmen zu können, verpflichten wir uns im Finanzdienstleistungsgeschäft selektiv, Fahrzeuge zu einem bei Vertragsbeginn festgelegten Restwert zurückzukaufen. Diese Leasingverträge bewerten wir in regelmäßigen Abständen. Sind Risikopotenziale vorhanden, treffen wir die nötige Vorsorge.

Das Management der Restwertrisiken basiert auf einem festgelegten Regelkreis, der eine vollständige Risikobeurteilung, -überwachung, -steuerung und -kommunikation sicherstellt. Die Art der Prozessgestaltung gewährleistet neben einem professionellen Restwertrisikomanagement auch, dass der Umgang mit Restwertrisiken systematisch verbessert und weiterentwickelt wird.

Im Rahmen der Risikosteuerung überprüfen wir mit Hilfe von Restwertprognosen regelmäßig die Angemessenheit der Risikovorsorge sowie das Restwertrisikopotenzial. Dabei werden den vertraglich vereinbarten Restwerten erzielbare Marktwerte gegenübergestellt, die aus den Daten externer Dienstleister und aus eigenen Vermarktungsdaten generiert werden. Restwertchancen bleiben in der Risikovorsorgebildung unberücksichtigt.

Weitere Informationen zu Restwertrisiken und anderen Risiken im Finanzdienstleistungsgeschäft wie zum Beispiel Adressenausfall-, Marktpreis- oder Liquiditätsrisiko finden Sie im Geschäftsbericht 2009 der Volkswagen Financial Services AG.

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