Beschaffung


Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise haben die Beschaffung im abgelaufenen Geschäftsjahr vor neue Herausforderungen gestellt. Die rückläufige Absatzsituation der Automobilhersteller belastete auch die Lieferanten und führte zu vielen Insolvenzen in dieser Branche. Gleichzeitig wurden staatliche Förderprogramme verabschiedet, die eine Verschiebung im Absatz der einzelnen Fahrzeugsegmente auslösten. Diese Effekte hatten einen direkten Einfluss auf die Versorgungssituation bei Kaufteilen. Weitere wesentliche Themen des Jahres 2009 waren die konsequente Erschließung neuer Beschaffungsmärkte sowie die weltweite Umsetzung des Nachhaltigkeitskonzepts in den Lieferantenbeziehungen.

Versorgungssituation bei Kaufteilen

Die Versorgungssituation bei Kaufteilen stand im Jahr 2009 unter dem erheblichen Einfluss der weltwirtschaftlich schwierigen Lage und den zur Stabilisierung der Weltwirtschaft ergriffenen staatlichen Stützungsmaßnahmen. In vielen Ländern ist insbesondere der Absatz gehobener Fahrzeugsegmente zum Teil dramatisch eingebrochen. Im Gegenzug führten Förderprogramme und ein verändertes Kosten- und Umweltbewusstsein dazu, dass die Verkaufszahlen bei den kleineren Fahrzeugsegmenten mit einfachen Ausstattungsumfängen ebenso deutlich stiegen. Darüber hinaus war in vielen Fällen die Teileversorgung aufgrund der Vielzahl von Insolvenzen im Zuliefererbereich äußerst kritisch.

Diese Tendenzen haben über das gesamte Jahr 2009 dazu geführt, dass sich die Teilebedarfe im Konzern hinsichtlich Stückzahlen und Zusammensetzung permanent veränderten. Trotz dieser Herausforderungen konnten die Komponenten- und Fahrzeugwerke aller Marken des Volkswagen Konzerns pünktlich und stabil mit Kaufteilen versorgt werden. Dies gilt auch für die Produktionsstätten in China, die eine sehr stark wachsende Nachfrage zu bedienen hatten. Dass dies gelang, ist vor allem auf die konsequent verbesserten Prozesse zurückzuführen, insbesondere in den Bereichen des Kapazitäts-, Bedarfs- und Kaufteilemanagements innerhalb unserer Beschaffungsorganisation. Darüber hinaus wirkte sich die immer enger werdende Prozessvernetzung mit anderen beteiligten Geschäftsbereichen positiv aus. Diesen erfolgreichen Weg werden wir konsequent weitergehen, um auch neuen Aufgabenstellungen gerecht zu werden.

Konsequente Erschließung neuer Märkte

Die neuen Fertigungsstandorte in Indien, Russland und den USA eröffnen der Konzernbeschaffung neue Möglichkeiten. Die Tatsache, dass wir die lokale Beschaffung von Komponenten forcieren, verschafft uns Kostenvorteile in diesen neuen Wachstumsregionen. Dadurch gelingt es uns, hier die veranschlagten Beschaffungskosten einzuhalten.

Um den Wertschöpfungsanteil von vor Ort bezogenen Bauteilen in Wachstumsmärkten zu erhöhen, setzen wir auf die sogenannte Tiefenlokalisierung. Dabei verfolgen wir das Ziel, frühzeitig günstige Bezugsquellen für Rohmaterialien in den jeweiligen Regionen zu finden und so die Kosten zu optimieren. Hier arbeiten wir eng mit der technischen Entwicklung und der Qualitätssicherung zusammen. Durch gezielte Tiefenlokalisierung steigern wir den Anteil von vor Ort bezogenem Material stetig.

Auch für europäische Fahrzeugprojekte nutzen wir intensiv wettbewerbsfähige Beschaffungsquellen weltweit. Dadurch gelingt es uns, Synergien aus der Produktion vor Ort für den Export von Komponenten zu erschließen und somit konsequent die Materialkosten in Europa zu reduzieren, ohne dabei Kompromisse bei der Qualität einzugehen.

Das Kaufteile-Management ist hierbei integraler Bestandteil unserer internationalen Programme. Lieferanten an den einzelnen Konzernstandorten werden von regional agierenden Teams sowohl bei der Tiefenlokalisierung im jeweiligen Land als auch beim Export der Bauteile zu anderen Produktionsstandorten des Konzerns unterstützt. Zusätzlich kommt das Lieferantenmanagement zum Einsatz, das in Zusammenarbeit mit der Qualitätssicherung für die Qualifizierung der heimischen Lieferanten verantwortlich ist.

Mit diesem Vorgehen optimieren wir die Zielkosten neuer Fahrzeugprojekte in den Regionen und können zudem ein weltweit wettbewerbsfähiges Beschaffungsniveau erreichen.

Nachhaltigkeit in den Lieferantenbeziehungen

Das Thema Nachhaltigkeit in den Lieferantenbeziehungen ist in den Prozessen des Volkswagen Konzerns fest verankert. Die Beschaffung zielt hier darauf, die Werte des Umweltschutzes und die Wahrnehmung sozialer Verantwortung im Sinne der Unternehmenspolitik in die Lieferantenbeziehungen zu integrieren. Das Konzept der Nachhaltigkeit in den Lieferantenbeziehungen umfasst vier wesentliche Bausteine: Nachhaltigkeitsanforderungen für Lieferanten, ein Früherkennungssystem zur Risikominimierung, Transparenz im Beschaffungsprozess sowie Lieferantenmonitoring und -entwicklung.

Alle Mitarbeiter im Bereich Beschaffung wurden über diese Themen informiert und so für Defizite und Verbesserungspotenziale bei Lieferanten sensibilisiert. Damit haben wir die Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung und die damit verbundene kontinuierliche Verbesserung der Beschaffungsprozesse im Unternehmen geschaffen. Hierbei stellt uns die Verantwortung als Wertschöpfungspartner immer wieder vor neue Herausforderungen, etwa bei Richtungsentscheidungen über Investitionen, bei der Nutzung von Ressourcen oder der Förderung produkt- und prozessbezogener Innovationen.

Das Konzept wird seit 2008 bei allen Marken und in allen Regionen des Konzerns umgesetzt. Zuvor war ein Pilotprojekt in der VW Group China, bei dem auch das Thema Lieferantenqualifizierung ein wichtiger Bestandteil war, erfolgreich abgeschlossen worden. Ausgehend von den dabei gesammelten Erfahrungen haben wir ein globales Netzwerk zum Thema Nachhaltigkeit in der Beschaffungsorganisation etabliert sowie Aktionspläne für die Zukunft entwickelt. Zudem fand 2009 ein weiteres Lieferantenqualifizierungsprojekt in Indien statt. Die intensive Vernetzung und der regelmäßige Austausch aller Marken und Regionen ist Voraussetzung für eine konzernweite Integration aller unserer Geschäftspartner in das Konzept.

Mit der Initiative „The European Alliances for CSR“ setzt sich Volkswagen darüber hinaus europaweit und branchenübergreifend für eine intensivere Vernetzung des Themas Nachhaltigkeit ein.

Beschaffungsvolumen

Das Beschaffungsvolumen des Volkswagen Konzerns nahm im Berichtszeitraum gegenüber dem Vorjahr um 6,3 % auf 70,7 Mrd. € ab. Der Anteil der inländischen Zulieferer belief sich auf 41,9 (48,0) %.

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BESCHAFFUNGSVOLUMEN NACH MARKEN UND MÄRKTEN

 

 

Mrd. €

 

2009

 

2008

 

%

*

2008 angepasst.

Volkswagen Pkw

 

45,0

 

44,5

 

+1,3

Audi (inkl. Lamborghini)

 

14,3

 

19,8

 

–27,5

Škoda

 

4,2

 

5,0

 

–17,2

SEAT

 

2,7

 

3,2

 

–17,0

Bentley

 

0,2

 

0,6

 

–60,2

Volkswagen Nutzfahrzeuge

 

1,5

 

2,3

 

–35,4

Scania

 

2,8

 

 

 

Volkswagen Konzern

 

70,7

 

75,4

 

–6,3

Europa/Übrige Märkte*

 

49,4

 

59,0

 

–16,3

Nordamerika

 

3,2

 

3,0

 

+8,4

Südamerika*

 

5,4

 

5,4

 

–0,3

Asien-Pazifik

 

12,7

 

8,0

 

+58,2

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